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PRO/CONTRA: NPD-Verbot / Outlawing the German NPD

Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) wird vom Bundesverfassungsgericht nicht verboten. Was spricht für diese Entscheidung? Was hätte für ein Verbot gesprochen? Nachfolgend ein Pro und Contra von Boris Schneider und Henrik Meyer.

The National Democratic Party (NPD) will not be outlawed by the Federal Constitutional Court. What are the arguments supporting this decision? Why would outlawing the NPD have been reasonable? A pro/con text by Boris Schneider and Henrik Meyer.


PRO Verbot / PRO Outlawing

Vier Jahre dauerte das zweite Verbotsverfahren gegen die NPD. Wie schon im ersten Anlauf zwischen 2001 und 2003 scheiterte auch dieser Versuch. Das Bundesverfassungsgericht sah es zwar als erwiesen an, dass die Kleinpartei verfassungswidrige Inhalte vertritt, kam aber auch zu dem Ergebnis, dass die NPD zu unbedeutend sei, um die Demokratie in Deutschland ernsthaft zu gefährden. Diese Schlussfolgerung mag zwar richtig sein, dennoch hätte es gute Gründe für ein Verbot gegeben. Können sich nun andere radikale Parteien nicht ebenfalls darauf berufen, dass sie für eine Regierungsübernahme zu klein und unbedeutend seien und dennoch demokratiefeindliche Inhalte verbreiten? Darüber hinaus ist die Verwicklung der NPD bzw. die führender Politiker dieser Partei in die NSU-Morde noch immer nicht aufgeklärt. Und ist es nicht ohnehin grundverkehrt, dass der Staat mit seinen Steuergeldern eine politische Partei stützt, deren Ziel offen darin besteht, genau diesen Staat in seinen wesentlichen Zügen abzuschaffen? Ein Verbotsverfahren sollte in einem freiheitlich-demokratischen System immer nur der allerletzte Ausweg sein. Bei einer offensichtlich verfassungsfeindlichen Partei (die das auch noch offen zugibt) muss der Staat aber sämtliche Bedenken über Bord werfen und diese Gruppierung verbieten.

It took the Federal Constitutional Court of Germany four years to decide whether the NPD deserves to be banned. Just as in the first attempt to do so between 2001 and 2003, the court came to the conclusion that although the NPD clearly propagates anti-constitutional messages, the party is way to small and irrelevant in order to be a serious threat to democracy in Germany. Formally, this might be the right conclusion, nevertheless there are some good arguments for outlawing such a party. After all, now other radical parties might defend their anti-democratic slogans by resorting to the argument that they are way too minor for taking over government. Besides, the exact involvement of NPD party officials into the NSU (National-Socialist Underground) terrorist group has not been clarified yet. And is it not plain wrong to tax-fund a party openly saying that it wants to abolish the existing German state? In a democratic system, banning a political party should only be the last resort. However, when you have a party openly stating that it is unconstitutional, the authorities must act and outlaw this group.


CONTRA Verbot / CONTRA Outlawing

Erst waren es die V-Leute, die verhinderten, dass die NPD verboten wurde. Und jetzt ist es ihr jämmerlicher Gesamtzustand: Das Bundesverfassungsgericht traut der NPD einfach nicht mehr zu, unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung auch nur im Ansatz gefährlich werden zu können. Ein richtiges Urteil aus Karlsruhe? Ja! Die Zeit ist über die NPD hinweggegangen. Ein Verbot würde nur Staub aufwirbeln, der diese Partei schon längst unter sich begraben hat. Man gönnt ihren traurigen Überresten nicht einmal die zweifelhafte Ehre, in den Geschichtsbüchern als Gefahr für diese Demokratie verewigt zu werden. Davon abgesehen aber gibt es vor allem zwei Gründe, die gegen ein Verbot sprechen. Erstens: Unser freiheitlicher Rechtsstaat zeigt sich selbstbewusst und geradlinig. Die Botschaft lautet: Wir müssen nicht zum schärfsten Schwert eines Parteiverbots greifen, um uns einer verfassungsfeindlichen Partei zu entledigen. Lass sie ihren menschenverachtenden Irrsinn verbreiten – wir sind stark genug, ihn zu ertragen und ihn zu widerlegen. Im Übrigen verfügen wir auch über andere rechtliche Mittel, um die wildesten Auswüchse ihrer Protagonisten zu sanktionieren. Zweitens: Durch den Verzicht auf ein Verbot verhindern wir einen neuen Opfermythos, der den Rechten neue Munition gäbe, ein angebliches Meinungskartell in Deutschland anzuprangern. Schon jetzt saugen sie viel zu viel Honig aus ihrer vergifteten Botschaft, in Deutschland dürfe man Dinge nicht offen aussprechen, die dem Konglomerat aus Politik, Medien und Wissenschaft nicht genehm sind. Also: Kein Verbot ist richtig.

First (in 2003), it was all about the undecover agents inside the NPD, who made a constitutional ban impossible. This time, it is because of the party’s pitiful shape. The Federal Constitutional Court is convinced that the far-right party has become way too irrelevant in order to seriously threaten German democracy. A correct decision by the Karlsruhe-based court? Absolutely! Time has surpassed the NPD; an official ban would have given this minor, irrelevant party way too much publicity. It seems that this group’s sad remainders are not even significant enough tobbe granted the privilege of entering our history books as a serious threat to democracy. Besides, there are two other important reasons. First, our liberal state under the rule of law is self-confident and straightforward. It’s message is that we do not have to resort to the ultimate tool of a ban in order to get rid of an unconstitutional party. Let it spread its inhuman lunacies – we are strong enough to bear and disprove them. Furthermore, there are other judicial means to sanction their protagonist’s wildest excrescence. Second, by abstaining from a party ban, we prevent the creation of a new victim myth, which would give the Right new ammunition against an alleged opinion cartel in Germany. Already today, they are reaping too many benefits from their toxic message about a conglomerate of politics, the media and science supposedly blocking inconvenient truths. Thus: no party ban is the right decision.

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