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Kürzlich diskutiert in Berlin: Islamdebatte in Deutschland: Wer ist der Islam? Und wenn ja, wie viele?

Die Islamdebatte in Deutschland:

Wer ist der Islam? Und wenn ja, wie viele?

islam-gesamtAm Montag, den 17. Oktober lud Discussing World Politics zu einer weiteren Diskussionsrunde ein. Mit den Experten Ahmad Mansour, Programmdirektor bei der European Foundation for Democracy, Abdul Adhim Kamouss, Diplom-Ingenieur und Berliner Imam, sowie Pinar Çetin, Politologin und engagierte Muslima, diskutierten ca. 90 Teilnehmende (Wir mussten die Teilnehmerzahl begrenzen) über den Islam in Deutschland.

  •   Wann: Mo, 17.10.2016, 19 – 21 Uhr
  • Wo: Berliner Landeszentrale für politische Bildung – Hardenbergstraße 22-24 (Amerikahaus), 10623 Berlin.

islam-frau-publikumHier finden Sie das Facebook Event: Hier

Christian Wulff sagte als Erster: „Der Islam gehört zu Deutschland!“. Laut einer Infratest-Umfrage sehen 60% der Bundesbürger das allerdings nicht so. Tatsache ist, dass ungefähr 4,5 Millionen Muslime in Deutschland leben, womit die Debatte um den Islam in all seinen unterschiedlichen Facetten ein brisantes Thema bleibt. Vor allem in den Medien dominieren schon seit geraumer Zeit negative Schlagzeilen rund um den vermeintlichen kulturellen Konflikt zwischen abendländischen und islamischen Werten. Von der Handschlagsdebatte über Burkini- und Verschleierungsverbote bis hin zu der wachsenden Beliebtheit von rechts- populistischen Parteien in Deutschland – klar ist: Hier treffen zwei verschiedene Welten aufeinander, Islam ist aber eben auch nicht gleich Islamismus. Mely Kiyak, Kolumnistin bei der Zeit, schrieb: „Wenn Muslime zu Deutschland gehören, dann tut es auch der Islam. In jeder Ausprägung. In seiner humanitären genauso wie in der autoritären Lesart, mit all seinen positiven wie negativen Ausprägungen. Dann wären alle Probleme, die seine in Deutschland lebenden Anhänger bereiteten ein Problem, das hier in Deutschland gelöst werden muss und nicht irgendwo auf der Welt.“ Aber kann man das so wirklich sagen? In Berlin gibt es inzwischen rund 700 Salafisten. Rund 400 davon werden als gewaltbereit eingestuft. Hunderte von Radikalen anderer islamischer Strömungen kommen hinzu. Wo müssen Grenzen gezogen werden? Und bei wem liegt diese Verantwortung?

islam-cetin-kind-dwpWir diskutierten über Ursprung, Ausprägung und mögliche Lösungsansätzen im Kontext der Islamdebatte in Deutschland. Wie immer war die Veranstaltung kostenfrei und offen für alle.

Unsere Experten

 Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe und lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Als Programme Director bei der European Foundation for Democracy (EFD) in Brüssel setzt er sich für Demokratie, Gleichberechtigung und ein friedliches Zusammenleben ein. Hauptfokus seiner beruflichen Tätigkeit liegt auf dem Entgegenwirken von Radikalisierung und Antisemitismus in der muslimischen Community sowie der Unterdrückung im Namen der Ehre. Geboren wurde Mansour in Tira, einem kleinen Dorf bei Telaviv, wo er als junger Palästinenser beinahe selbst dem radikalen Islamismus zum Opfer fiel. Für sein Engagement erhielt Mansour 2014 den Moses-Mendelsohn-Preis und 2016 den Carl-von- Ossietzky Preis für Zeitgeschichte und Politik, zudem wurde er vom Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) als Botschafter für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet. Im Interview mit dem Deutschlandfunk kritisierte Mansour die deutschen Islamverbände und Moscheen für die Verbreitung eines zu konservativen Islam: “Wir haben es mit Moscheen und mit Verbänden zu tun, die Geschlechterapartheid betreiben, die Opfer- und Feindbilder schaffen, die den Menschen ihr kritisches Denken wegnehmen wollen, die versuchen, antisemitische Einstellungen nicht zu bekämpfen“. Neben seiner Arbeit für EFD arbeitet Mansour als freier Autor, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft Demokratischer Kultur (ZDK) sowie als Mitarbeiter der Beratungsstelle HAYAT und als Gruppenleiter des HEROES-Projekts in Berlin.

islam-aus-publikum Abdul Adhim Kamouss ist Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik und arbeitet als ehrenamtlicher Imam und Prediger. Kamouss wurde in Marokko geboren, lebt aber seit 1997 in Deutschland, wo er auch sein Studium abschloss. Im Jahr 2007 erschien im WDR die Reportage „Der Moslem-Macher“ zu seiner Arbeit als Prediger für islamisch-religiöse Jugenderziehung der Al-Nur-Moschee in Berlin, Neukölln. Er wurde als Durchlaufstation zur Radikalisierung bezeichnet. Bis 2011 war Kamouss als salafistischer Prediger bekannt und wurde 2014 während eines Talkshow-Auftritts bei Günther Jauch mit seiner Bekanntschaft zu dem späteren IS-Kämpfer Denis Cuspert konfrontiert.Kritisiert wurden auch Kamouss’ Methoden sowie seine worttreue Leseart des Korans. Heute sagt er dass es im Islam darum gehe „keine Feindschaft, keinen Groll, kein Neid oder Hochmut im Herzen zu tragen“. Sicherheitskreise bestätigten dem Tagesspiegel diesen Wandel und schreiben Kamouss eine wichtige Rolle zu, der Radikalisierung deutscher Muslime entgegenzuwirken. Heute predigt Kamouss in diversen Gemeinden und grenzt sich klar zur deutschen Salafismus-Szene ab: “Islam hört da auf, wo Fanatismus beginnt”, betont er und wird nun selbst von Radikalen bedroht und als Verräter des Islam beschimpft, weil er Muslime beispielsweise dazu aufruft, Homosexuelle nicht zu verurteilen.

islam-gesmt-besser-cetinDie gebürtige Berlinerin, Pınar Çetin, ist Diplompolitologin und gilt als Musterbeispiel gelungener Integration. Seit März 2015 ist Çetin als Mitarbeiterin in der Beratungsstelle gegen Extremismus an der Sehitlik Moschee tätig, ein Kooperationsprojekt mit dem Violence Prevention Network. Zudem war Pinar Çetin aktiv in der muslimischen Jugendarbeit, einerseits als selbstständige Trainerin für den interreligiösen Dialog, andererseits als Dialogmoderatorin bei den regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie für die Politikgruppe des JUMA-Projekts („Jung, muslimisch, aktiv“) sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Ehrenamtlich engagiert sich Çetin zudem in der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (D.I.T.I.B.), wo sie seit 2009 Vorstandsmitglied und seit 2014 stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes ist und sich vor allem mit Frauen-, Jugend- und Netzwerkarbeit in unterschiedlichen Berliner Moschee-gemeinden beschäftigt. Außerdem besetzte Pinar Çetin von 2011 bis 2014 eine Position als Vorstandsmitglied der Türkischen Gemeinde zu Berlin (TGB). Als praktizierende Muslima hat sich Çetin beruflich wie privat mit der Integrationsdebatte beschäftigt: “Islam und Frauenrechte, Islam und Frieden, Islam und Demokratie schließen sich nicht aus”, so Çetin. Vielmehr ist ihrer Meinung nach ein Mangel an Bildung eines der prägnantesten Probleme, wenn es um gescheiterte Integration geht. Zuletzt hat sich Pinar Çetin in der Abgeordnetenhauswahl 2016 als unabhängige Kandidatin für den Bezirk Neukölln aufstellen lassen – mit dem Ziel „hauptberuflich für den Abbau von Vorurteilen zu arbeiten“.

 

Moderation:
Ann-Kristin Wingert (ann-kristin.wingert@discussing-world-politics.org )

 

Kooperationspartner

 

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One thought on “Kürzlich diskutiert in Berlin: Islamdebatte in Deutschland: Wer ist der Islam? Und wenn ja, wie viele?

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