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Good Coup, Bad Coup?

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli taten die türkischen Streitkräfte das, was sie seit 1960 bereits drei mal unternommen hatten (und ein mal nur anzudrohen brauchten, um politische Zugeständnisse zu erhalten): sie putschten gegen die Regierung. Nicht zuletzt aufgrund seiner recht dilettantischen Durchführung scheiterte dieser Putsch jedoch; noch in der gleichen Nacht kündigte Staatspräsident Erdoğan an, die Armee von „Terroristen“ zu säubern und entließ am Folgetag Tausende von Richtern. Schnell kamen, auch von Seiten von Beobachtern und Islamwissenschaftlern, Verschwörungstheorien bezüglich der Urheber des Putsches auf. „Cui bono?“ (Wem nützt es?) war die Standardfrage, auf die man – berechtigterweise – die Standardantwort „Erdoğan“ geben musste, denn dieser hat jetzt freie Bahn, Armee und Staatsapparat endgültig nach seinen Wünschen umzubauen, diese also noch autoritärer zu gestalten und vollends auf seine Person auszurichten. Vor dem Hintergrund der immer stärker werdenden Islamisierung der Türkei, war der Putsch also wirklich ein „Geschenk Gottes“, wie Erdoğan in der Nacht der versuchten Umsturzes sagte.

Diese Verschwörungstheorien sollen aber gar nicht im Fokus dieses Textes stehen. Viel interessanter ist etwas ganz anderes. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen konnte sich nicht auf eine Resolution zur Unterstützung der „demokratisch gewählten Regierung“ der Türkei einigen, weil die Vertreter Ägyptens (ein nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat) mit folgender Begründung ihre Zustimmung verweigerten: der Sicherheitsrat habe keine Möglichkeit festzustellen, ob die Regierung tatsächlich demokratisch gewählt worden sei. Wer sich an das Jahr 2013 erinnert, weiß, dass Ägypten damals in einer ähnlichen Situation war. Ein islamistischer, aber gewählter Präsident war vom Militär abgesetzt worden; heute ist Generaloberst al-Sisi Staatsoberhaupt. Während sich die westliche Welt seitdem mit den neuen Machthabern in Ägypten arrangiert zu haben scheint, ließ sie dieses mal kein gutes Haar an den türkischen Putschisten. Westliche Staatsführer äußerten einstimmig, dass ein Machtwechsel in der Türkei nur auf demokratische Weise vollzogen werden dürfe.

Wann ist ein Regierungswechsel also legitim? Nur wenn er auf demokratische Art und Weise geschieht? Oder gibt es auch Fälle, in denen auch ein Putsch „gerechtfertigt“ sein kann? Es wäre interessant zu diskutieren, wovon die Legitimation von unterschiedlich durchgeführten Machtwechseln abhängt. Heiligt (im Falle einer unliebsamen Regierung, die zur Machtabgabe gezwungen wird) der Zweck also die Mittel oder darf nichts ohne eine Wahl entschieden werden? Ein Thema, zu dem man sich nicht nur bei Discussing World Politics Gedanken machen sollte.


In the night of July 15th to 16th, the Turkish military did something, which it had performed already three times since 1960 (and once just threatened to do in order to get political concessions from the government): it organized a coup d’état. However, because of its amateurish execution, the coup failed; the same night, President Erdoğan announced that the army would be purged of “terrorists” and fired thousands of judges. Quickly, conspiracy theories surfaced regarding the initiators of the coup. “Cui bono?” (To whose profit?) was the standard question, for which the only possible answer was “Erdoğan”, who now has free rein to rebuild both army and state apparatus according to his fancy, i.e. to make the system more authoritarian and fully focused on himself. Against the background of the increasing islamization of Turkey, the coup was indeed a “gift from God”, as Erdoğan said that very night.

However, this text should not focus on those conspiracy theories. Something else is much more curious. A proposed United Nations Security Council statement denouncing the coup was not accepted by Egypt (a non-permanent member of the Council at the time) due to textual disagreements: Egyptian diplomats argued that the Council is “in no position to qualify, or label the Turkish government – or any other government for that matter – as democratically elected or not”. Remember that in 2013, Egypt was in a similar situation. An islamist, but elected president had been deposed by the military; today, colonel general al-Sisi is the new head of the state. Whereas the Western world seems to have come to terms with the new Egyptian leadership, this time it ripped the Turkish rebels to pieces. Western leaders were unanimous in their statement that a government change can be carried out only democratically.

So when is a change in incumbents legitimate? Only if it is done in democratic fashion? Or are there also cases when a coup can be “justified”? It would be interesting to discuss what the legitimization of differently performed power changes depends upon. Does the end justify the means or are elections compulsory? A topic, which deserves to be given thought not only on this platform.

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